Meine Mutter …

… war mal wieder der Meinung neue Klamotten zu brauchen. In dem Heim wären alle so chic. Da muss sie mithalten … äh … ja, ist mir noch nicht aufgefallen, das mit dem chic, dass meine Mutter mithalten oder besser vorpreschen oder etwas Besseres sein will, schon.
Das letzte Mal haben wir im Juli, als ich sie besuchen war, gemeinsam bestellt. Gemein wie ich bin, durfte sie natürlich nicht so, wie sie wollte. Ich habe ihr die weißen Hosen gestrichen. Sie durfte die Hosen bestellen, Caprihosen – drei Stück, die sie haben wollte, aber nicht in weiß.

Dieses Mal schickte sie mir ihre Bestellwünsche per WhatsApp:
Bitte bestellen:
1 Caprihose in weiß
1 Blazer Gr. 42 – hellgrau
1 Hose – passend zum Blazer hellgrau
1 Jeans weiß
Die sind hier alle so chic. Da kann ich noch so rumlaufen.

Zu ihrem großen Glück hatte ich einen meiner wenigen milden Tag und sagte mir, dass ich nicht immer arschig sein kann, habe nicht „Ja, aber …“ gesagt und nicht diskutiert, weder über den Umstand, dass man jetzt eigentlich keine Caprihose mehr braucht, noch über die Farbe. Ich habe einfach bestellt und habe dabei immer nur gedacht: „Chic, aber bekleckert.“ Denn wann immer ich meine Mutter sehe, ist sie bekleckert. Das ist nicht erst so seit sie im Heim ist. Das war vorher schon so. Darum hatte ich ihr die weißen Hosen gestrichen. Die weißen Hosen, die ich bei ihr gefunden habe, als ich ausräumte und von denen ich wusste, dass sie gerade erst zwei Monate alt waren, waren in einem Zustand, den ich nicht näher beschreiben möchte. Oder doch – die Hosen waren final.

Montagmorgen habe ich bestellt und seitdem hat sie mich jeden Tag gefragt, wann denn ihre Sachen kommen. Außerdem wollte sie jedes Mal mit mir über die Notwendigkeit der Bestellung diskutieren. Ich wollte aber nicht mir ihr darüber reden. Wozu? Haben wir alles schon durch. Muss ich mich nicht nochmal unnötig ereifern. Das habe ich ihr auch gesagt.

Ich: „Ich rede nicht mit dir darüber. Du bekommst dein Sachen und gut ist es.“
Sie:“Ja, aber ich muss doc…“
Ich: „Nein, kein Ja, aber:“
Sie: „Ja, aber …“
Ich: „Neinhein, kein Ja, aber.“
Sie: „Aber …“
Ich: „Nein.“
Das haben wir jeden Tag getrieben bis sie lachen musste.

Heute sind endlich ihre ersehnten Sachen gekommen. Gegen halb eins klingelt das Telefon und sie war wieder dran: „Warum hast du mir heute Morgen nicht gesagt, dass die Sachen kommen?“
Ich: „Was hätte das geändert?“
Sie: „Ich hätte mich freuen können.“
Ich: „Kannst du doch jetzt auch.“
Sie: „Nee, kann ich nicht. Geht alles zurück. Ich brauche doch jetzt keine Caprihose mehr.“
Ich: „Ach?“
Sie: „Und die Qualität. Ganz schlecht. Alles Plastik.“
Ich: „Ja, stand dran, dass es Polyester ist.“
Sie: „Sitzt auch alles nicht. Und der Blazer ist bestimmt keine 42. Der ist viel zu klein.“
Ich: „Ach, wie das wohl kommt?“ (Wir hatten bei meinem letzten Besuch erörtert, dass sie wieder ordentlich was auf den Rippen hat)
Sie: „Das kommt von den vielen Muskel, die ich durch Rollstuhl fahren bekommen habe.“
Ich: „Interessant.“
Sie: „Ja, natürlich. Wovon sonst?“

Mögen ihr die Ausreden nie ausgehen. Diese hier war mein heutiges Highlight. Ich habe Tränen gelacht.

Der Mensch an sich …

… ist dumm, aber lernfähig.

Es sei denn es handelt sich um einen Menschen vom Typ Egoist.

Wenn ich in einer Zeit, in der die ganze Welt mit einem ziemlich schlauen Virus kämpft, höre: „Sollte die Maskenpflicht im Freien kommen, mache ich nicht mit!“, dann macht mich das sauer. Sehr saurer.
Wenn ich dann noch weiß, dass diese Menschen andererseits beklagen, was für arme Menschen sie doch sind, weil sie zur Risikogruppe gehören, dann würde ich am liebsten nur noch laut schreien und ihnen an den Kopf klatschen, damit da drin eventuell etwas an den richtigen Platz rutscht und das Denken halbwegs funktioniert.
Wenn man schon meint zur Risikogruppe zu gehören, sollte man dann nicht von sich aus alles tun, um sich selbst zu schützen? Von anderen will ich gar nicht reden, weil ich ja vom Typ Mensch Egoist rede. Denn die anderen haben längst begriffen, dass wir alle zur Risikogruppe gehören. Wer weiß denn schon, wie schwer es einen trifft im Falle einer Infektion. Auch ohne irgendwelche Vorerkrankungen.

Was ist daran so schlimm sich ein Stück Stoff oder was auch immer ins Gesicht zu hängen und damit Mund und Nase, ja, bitte danke beides, zu bedecken? Aus meiner Sicht nichts. Ich habe mich an dieses Ding gewöhnt und ja, ich trage es freiwillig auch im Freien, wenn ich in unser Städtchen gehe, da ist es eng und es laufen ganz viele Menschen vom Typ Egoist durch die Gegend.
Am liebsten sind mir die, die ohne irgendwie an Hygiene und Abstand zu denken Niesen, Husten und auf die Straße rotzen und die, die den Sauerstoffschlauch in der Nase und die Zigarette im Mund haben, das dazugehörige Sauerstofffläschchen auf dem Rollator und die MundNaseBedeckung klemmt am Kinn. Begibt man sich dann ohne jeglichen Ab- und Anstand in den Supermarkt, zieht man die MundNaseBedeckung einen Tick höher, sodass immer die Unterlippe bedeckt ist … kann ich irgendwo verstehen – ich würde auch nicht gern mit meinem alten Zigarettenmief unter der Maske eingesperrt sein, dass muss widerlich stinken.
Als ich neulich bei der Frauenärztin war, hatte ich meinen Morgenkaffee noch nicht ausgedünstet und saß mit dem Mief unter der Maske fest, das war nicht sehr schön. Ich bin aber auch wirklich geruchsempfindlich, bestimmt liegt es daran. Andere werden wahrscheinlich gar nicht merken, was sie ausdünsten.

Ich habe mich sogar so an dieses Ding gewöhnt, dass ich in einem Geschäft regelmäßig einen Schreck bekomme und denke: Scheiße, du hast vergessen die Maske aufzusetzen. Habe ich aber nicht. Ich merke sie nicht mehr. Vermutlich weil ich mich nicht dagegen sperre.
Selbst wenn ich nach Berlin fahre und sie dann sechs Stunden oder länger am Stück trage, weil ich vom Zug direkt zu meiner Mutter fahre, macht mir das nicht aus. Ist eben so. Gehört im Moment dazu, um mich und andere zu schützen.
Und ganz ehrlich – die Mimik der Menschen fehlt mir auch nicht. Die meisten rennen doch eh mürrisch, schlecht gelaunt und mit verkniffenem Mund durchs Leben. Muss ich nicht sehen.
Mir reicht ein Blick in die Augen. Wenn jemand strahlt, gut gelaunt, freundlich, offen, entgegenkommend, positiv ist, sehe ich das in den Augen.

So, die ganz persönlichen Ansichten einer dummen Hausfrau mussten mal raus.

Ach, das fällt mir ein: Ich bin dafür, dass jeder, der sich gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ausspricht und sich so verhält, ein Schild tragen sollte, auf dem er genauso deutlich macht, dass er im Falle einer Infektion mit schwerem Verlauf auf jegliche intensivmedizinische Behandlung verzichtet.
Ja, auch diese Ansicht ist ganz persönlich.

Früher …

… in der Schule hatte ich immer mit bleierner Müdigkeit zu kämpfen. Es fiel mir unglaublich schwer mich zu konzentrieren, wenn mich der Lehrkörper mit epischen, lehrreichen Monologen bombardiert hat. Ich wurde sowas von müde, der Kopf schwer, ich konnte kaum noch die Augen offen halten und wollte eigentlich nur noch den Kopf auf den Tisch legen und ein Schläfchen machen. Ich dachte immer, dass das etwas mit Desinteresse … Langeweile zu tun hat.
Hat es aber augenscheinlich nicht. Das muss bei mir irgendwo in den Genen liegen. Als ich gestern vor meinem Malkurs saß, trat genau dasselbe auf. Ich wurde bleiern müde, konnte die Augen kaum offen halten, der Kopf drohte auf den Tisch zu knallen, ich wollte nur noch schlafen und das, obwohl mich der Kurs überhaupt nicht langweilt.
Ganz im Gegenteil. Es macht mir sehr viel Spaß, ich finde es interessant und bin erstaunt, dass ich den eingeblendeten Text, die Übersetzung, nicht lesen muss, sondern die englischen Erklärungen verstehe. Also eigentlich alles prima, wenn nur diese Müdigkeit … das Bedürfnis nach unbedingt jetzt schlafen müssen, nicht auftreten würde. Da muss ich durch. Vielleicht kann ich das irgendwie wegtrainieren.

Als ich gestern am tiefsten Schnarchpunkt angekommen war, bin ich in die Küche geschlurft und habe gebacken. Madeleines. Zum ersten Mal. Dafür habe ich mir extra so ein chices Blech gekauft. Und weil es ein wirklich tolles BackFernsehProgramm war, habe ich es fotorealistisch festgehalten:

Das war ein echt spannender Kurzfilm, 11 Minuten, länger dauert es nicht und obwohl ich mich natürlich wieder mal nicht ans Rezept gehalten habe (ich bin nämlich der festen Überzeugung, und meine Erfahrungen geben mir Recht, dass man sich auch beim Backen nicht genau ans Rezept halten muss), haben alle den für Madeleines typischen Bauch. Und schmecken tun sie auch noch.

So … jetzt husche ich rüber zu meinem Malkurs. Denn der Gatte hat gesagt, als ich mich heute Morgen laut fragte, wie ich meinen Tag gestalte und so Dinge wie Putzen, Kochen, Backen erwähnte: „Natürlich malen.“ Also lerne und male ich … und werde müde und heute werde ich nicht backen, wenn ich müde bin, heute gehe ich schlafen.

Vom Iglöw und anderem Unsinn

Mich muss vor Kurzem der Stein der Erkenntnis hart am Kopf getroffen haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich in den letzten beiden Tagen fleißig (das sagt nicht über das Ergebnis aus …) gemalt habe. Denn wie heißt es so schön – Übung macht den Meister.

Zum Einen haben ich endlich die Schafe eingefärbt …

Ja, die haben denselben Friseur wie die Pudel der Nachbarschaft … ich mag sie.

Dann erblickte gestern der/die/das Iglöw das Blatt Papier …

Wie es dazu kam? Ich dachte – „Mal doch einfach einmal ohne mit dem Bleistift vorzuzeichnen drauf los“. Dachte ich und machte ich und der/die/das kam dabei heraus.


Wenn ich von den Stiften, …

… die ich im Auftrag des Malkurses gemalt habe, absehe, hatte ich wirklich viel Spaß mit meinen Malereien.

Die angefangene Strickjacke ist bisher auf einem guten Weg …

Ist auch nicht so schwer. Geht immer nur gerade aus. Ich bin sehr gespannt, wie sich aus zwei sechzig Zentimeter langen Kragen, das da oben ist nämlich der rechte Kragen und der linke wird genauso geradeaus gestrickt, und ein bisschen irgendwo etwas ranstricken, eine Jacke ergibt.

Als letztes möchte ich von unserem hochbegabten Toaster berichten. Dass er hochbegabt ist, weiß ich erst seit Kurzem. Vorher dachte ich, dass er ein wenig überschwänglich … schwungvoll ist. Zumindest erklärte ich mir damit, warum er den Toast, nach abgeschlossenem Toastvorgang, im hohen Bogen auf die Arbeitsplatte spuckte. Jetzt weiß, dass er trainiert hat …

Er spuckt nicht mehr, sondern stellt den Toast, zumindest einen, ordentlich quer über den Schlitzen ab.

Daran den zweiten Toast ebenfalls auf die Schlitze zu stellen, übt er noch. Aber wie war das am Anfang dieses Post?
Genau – Übung macht den Meister.

Bin ich heute gut. Ich habe den Schreibkreis geschlossen. Hatte ich nicht geplant.

Das bisschen Haushalt …

… hat sich leider nicht alleine gemacht und der Einkauf für die nächste Woche auch nicht, aber jetzt bin ich fertig … nicht ganz, ich muss noch das Toastbrot aus dem Ofen zerren, wenn es fertig ist, aber das ist nicht wirklich viel Aufwand.
Da der Gatte es vorgezogen hat heute arbeiten zu gehen, statt mit der holden Gattin Zeit zu verbringen und zum Beispiel wie jede Woche einmal gemeinsam den Supermarkt zu plündern, musste ich den Einkauf für die nächste Woche alleine und zu Fuß bewältigen … ich will nicht zu laut jammern – der Gatte hat vorgestern schon die Getränke mitgebracht, damit ich die nicht schleppen muss.
Die Schlepperei war gar nicht so schlimm, weil ich einiges von dem, was ich haben wollte, nicht bekommen habe. Auch eine Art den Einkauf klein zu halten und zu sparen … irgendwie … vielleicht.

Als ich vom Einkauf zurückkam, hatte ich kurz überlegt, ob ich die Wäsche zum Trocknen rausstelle oder ob ich mich später etwas raussetzen will. Die Frage hat sich von ganz alleine beantwortet, als ich die Balkontür geöffnet hatte und der Wind mir alles von meinem Schreibtisch gefegt hat – nein danke, ich möchte heute nicht draußen sitzen. Den Platz überlasse ich gern der Wäsche. Ich habe die Bettwäsche zur Feier des Tage sogar angeklammert, so sehr weht es … Windgeschwindigkeit bis 65 km/h. Nichts für mich, aber der Wäsche macht es nichts. Die wird um so schneller trocken.

Ich läute jetzt für mich das Wochenende ein. Da ich den Gatten vorhin eingeladen habe mich heute zum Essen einzuladen, muss ich nicht kochen. Er bringt etwas vom schnöden Griechen mit, wenn er nach Hause kommt.
Bis dahin heißt es für mich: Sofa, Strickzeug, Glotze.
Ich habe mir gestern eine Anleitung gekauft und schon alles zurecht gelegt …

… ich will versuchen einfach mal stur nach Anleitung zu stricken … nichts besser, anders oder sonst wie machen … einfach den Kopf ausschalten und nur machen, was da steht. Kann eigentlich nicht so schwer sein … wird bestimmt total entspannend … man gebe mir die Kraft, die Gelassenheit, das Durchhaltevermögen und den starren Blick auf die Anleitung, damit das Vorhaben gelingt

Ein cooles neues Spielzeug …

… habe ich mir gegönnt, wollte ich noch sagen.

Einen elektrischen Radiergummi. Der ist, um Kleinigkeiten, zum Beispiel das Innere des einen Auges der nicht fertigen Möwe auf einer eh nur groben Skizze oder ein Stück Palmenblatt, ebenfalls nur eine grobe Skizze ohne direkten Zusammenhang zu der nicht fertigen Möwe auf dem Seil zwischen den ungleichen Leuchttürmen, zu radieren, echt super. Sicherlich nicht wirklich gut fürs Papier, weil er ordentlich Schwung hat und was wegschafft, aber damit werden keine großen Flächen radiert.
Mit meinem sanften Knetradiergummi bekomme ich so kleinen Kram nicht weg.

Ein wirklich feines Spielzeug … ich könnte nur noch radieren … und ja, es handelt sich um Werbung … unbezahlt und ohne Namen, einfach weil es Spaß macht und gut ist.

Leichte Gereiztheit …

… hat sich im Hause SprottenPaula breit gemacht.

Es begann vor einer Woche. Als ich meine tägliche Runde drehte. Ich hatte auf einmal das Gefühl etwas im linken Auge zu haben … über einen leichten Wall kucken zu müssen. An sich nicht wirklich ungewöhnlich, es fliegen immer noch genug Pollen durch die Gegend, die solch eine Reaktion auslösen können.
Als ich zu Hause einen Blick in den Spiegel warf, sah es so aus, als hätte sich im Weißen des Auges eine Wasserblase gebildet, wie eine Träne. Ließ sich verschieben und wegdrücken, war dann aber sofort wieder da. Seltsam, aber nicht beunruhigend, weil das Auge ansonsten total unauffällig war. Keine Rötung, nix, bis auf diese seltsame „Blase“.
Ich habe daraufhin die Augen abgeschminkt, gewaschen und mit einer leichten Creme versehen. Kurz danach hatte ich es schon wieder vergessen, weil nichts mehr war. Alles wieder gut.
Am Samstag holte ich mir, weil die Augen juckten und leicht tränten, Augentropfen aus der Apotheke. Die Nullachtfuffzehn-Helfengegenalles-Augentropfen für gegen gereizte Augen.
Erstmal alles prima.
Montag und Dienstag tolerierten meine Augen sogar die Wimperntusche.
Der Mittwoch startete unauffällig, aber im Laufe des Tages wurden meine Augen gereizter, besonders das linke. Irgendwie … denn zu sehen war nichts. Keine Rötung, nix. Weder im Auge, noch außen rum.
Während der ganzen Tage hatte ich mehr oder weniger regelmäßig meine Augen mit den Tropfen gefüttert. Ich hatte sie sogar mit nach Berlin genommen, aber nicht benutzt, weil es keinen Grund gab.
Gestern nahm die Gereiztheit meiner Augen zu. In einem Mass, dass es wirklich unangenehm war. Die Augen tränten, vor allem das linke, brannten und ich konnte zumindest um die Augen herum eine Rötung erkennen und war geneigt mir einzubilden, dass die Augen leicht geschwollen waren.
Die Tropfen machten es nicht besser, sondern gefühlt immer schlimmer. Als die Gereiztheit langsam anfing auf mich über zuspringen, habe ich mich nach Alternativen zur Bekämpfung des Übels umgesehen.
Nun „behandle“ ich meine Augen mit Rotlicht und Augenkompressen mit Schwarzem Tee. Das scheint zu helfen. Die Haut ums Auge rum ist deutlich entspannter und nicht mehr gerötet.
Keine Ahnung, was das ist. Mittlerweile habe ich aber eine Vermutung. Ich tippe auf einen Schub der Rosacea. Die Gute geht auch auf/an die Augen.
Da nicht wirklich etwas zu sehen ist, macht es keinen Sinn, dass ich mich bei irgendeinem Arzt stundenlang ins Wartezimmer setze.
Ich sitz das noch ein bisschen, beobachte, rotlichte, klatsch mir den schwarzen Tee auf die Augen, statt ihn zu trinken und versuche den Stresslevel zu senken … Oooooooooooohmmmmmmmm.

Pflegeheim

Man liest immer nur Schlechtes, Böses, Angst machendes über Pflegeheime, sodass niemand in ein Heim will und die Angehörigen vor diesem Schritt zurückschrecken. Aus meiner Sicht ist das völliger Unsinn. Darum möchte ich eine Lanze für Pflegeheime brechen und etwas Positives schreiben.

Vielleicht hatte ich einfach nur Glück bei meiner verzweifelten Suche nach einem Heimplatz, für die ich nur drei Tage hatte, aber in dem Heim, das ich für meine Mutter gefunden habe, geht es ihr gut. Viel besser als vorher in der eigenen Wohnung.
Die ganzen guten Geister des Pflegeheims haben an meiner Mutter, seit sie im April letzten Jahres dort eingezogen ist, wahre Wunder vollbracht.
Damals war sie bettlägerig, konnte tatsächlich quasi nichts mehr und weigerte sich an einer Besserung mitzuhelfen. Mit ganz viel Beharrlichkeit, Freundlichkeit, Zuwendung, Ignoranz dem störrischen Wesen gegenüber oder was auch immer, ist es ihnen allen zusammen gelungen, meine Mutter wieder mobil zu machen.
Anfang des Jahres hat sie es irgendwann geschafft sich aus eigener Kraft in den Rollstuhl zu hieven, mit viel Mühe, aber es ging und ein bisschen durch die Gegend zu rollern. Seit ungefähr April ist sie wieder allein mit ihrem Rollator unterwegs. Erst kleine Runden und bis zum Klo, was schon große Freiheit war. Inzwischen geht sie jeden Tag nach unten in den Garten, klaut Blumen und besucht ihre Freundin Leona, die Eselin. Den Ziegen, die mit Leona zusammenwohnen, sagt sie natürlich auch Hallo.
Einmal die Woche ist im Garten Gruppenturnen, was ihr viel Spaß macht und sie fürchtet sich schon davor, wenn sie nicht mehr in den Garten können, weil es zu kalt ist.
Außerdem ärgert sie sich über Corona, weil dadurch die ganzen Ausflüge, die sonst regelmäßig stattfinden, nicht stattfinden. Sie würde doch so gerne zu Pflanzen Kölle und sich selbst eine Orchidee kaufen. Vor allem nachdem sie herausgefunden hat, wie sie an Bares, also einen Teil ihres Taschengeldes, kommt … (Ich böse Tochter gebe ihr ja kein Bares … sie sollen im Heim kein Bargeld haben, weil geklaut wird oder die Alten sonst was damit machen. Ganz am Anfang sind bei meiner Mutter dreißig Euro, die sie noch bei sich hatte, verschwunden. Sie behauptet, sie wurde beklaut. Hat den … diejenige gesehen. Ich bezweifle das noch heute (vorher im Krankenhaus hat sie mir genau dieselbe Geschichte erzählt, da war aber nichts weg) und vermutet eher, dass sie das Geld jemandem in die Hand gedrückt hat und diesen Umstand vergessen hat … meine Mutter erkauft sich gern etwas … jemanden.)

Für meine Mutter ist der Aufenthalt im Heim ein echter Gewinn. Sie ist gut versorgt, muss sich um nichts kümmern und hat einen enormen Zugewinn an Bewegungsfreiheit.
Vorher allein in ihrer Wohnung ist sie die letzten beiden Jahre nicht mehr raus gekommen und die Selbstversorgung wurde in allen Bereichen immer schwieriger. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig.

Als ich gestern bei ihr war und wir einen kleinen Ausflug mit dem Rollstuhl in den nahe gelegenen Park gemacht haben, hat sie, als wir auf unserer schon vertrauten Banke gesessen haben, einen Satz gesagt, der mich sehr betroffen und traurig gemacht hat. Sie hat gesagt: „Ich habe kein Zuhause, ich habe nur ein Zimmer.“
Ich habe erstmal nichts dazu gesagt, aber lange darauf herumgekaut … wozu gibt es, durch technische Probleme verursachte, verlängerte Zugfahrten und Nächte sonst?
Heute Vormittag habe ich ihr eine WhatApp zu dem Thema geschrieben … ja, manche Dinge lassen sich besser schreiben als sagen, gerade in unserem Mutter/Tochterverhältnis

Das schrieb ich ihr:

Du hast gestern einen Satz gesagt, der mich sehr betroffen und traurig gemacht hat.
Du hast gesagt, dass du kein Zuhause hast, sondern nur ein Zimmer.
Ich kann gut verstehen, dass du das so fühlst und will dir das gar nicht absprechen.
Trotzdem habe ich ein natürlich ein Aber …
Aus meiner Sicht hast du nicht nur etwas aufgegeben, sondern durchaus auch etwas im Heim gewonnen. Zum einen bist du versorgt, musst dir um die grundlegenden Dinge keine Sorgen machen oder dich nicht selbst um dich kümmern (einkaufen, Essen machen, sauber machen, waschen usw.), was dir immer schwerer gefallen ist.

Die meisten Pfleger und Pflegerinnen sind nett. Auch außerhalb des Heimes sind nicht alle Menschen toll und nett und man kommt nicht mit allen Menschen klar.
Was ich aber ganz wichtig finde: Du kannst dich wieder mehr bewegen. Du kommst alleine nach draußen in den Garten. Ja, er ist nicht groß, aber bietet Abwechslung und wenn Corona vorbei ist, wird es wieder Ausflüge und Veranstaltungen geben, an denen du teilnehmen kannst. Wie es mit dem Geld für Pflanzen Kölle geht, weißt du ja jetzt.
Wie oft bist du in den letzten zwei Jahren im Gürtlerweg alleine draußen gewesen? Zum Schluss gar nicht mehr, weil es gar nicht möglich war.
Du hast kein Zuhause, aber du hast ein Zimmer mit Bad und du hast Möglichkeiten und mehr Bewegungsfreiheit bekommen und eine echt gute Friseurin. Vielleicht ist das nicht viel und nicht all das, was du möchtest, aber besser als nichts und die letzte Zeit vor dem Heim (aus meiner Sicht).
Nicht böse sein, aber das wollte ich dir gerne sagen.

Sie hat es erstaunlich schnell gelesen, was nicht immer der Fall ist, manchmal findet sie Botschaften auch gar nicht, bzw. nur wenn man sie darauf hinweist und hat sich gemeldet. Sie hat angerufen und gesagt: „Das hast du falsch verstanden. Ich bin hier glücklich und sehr zufrieden. Es ist viel besser als vorher.“

Was ich mit diesen vielen Buchstaben nur sagen wollte:
Keine Angst vor Pflegeheimen. Es gibt gute. Höchstwahrscheinlich … nein, ganz bestimmt gibt mehr gute als schlechte Pflegeheime.
Hilfreich ist sicherlich, wenn man sich frühzeitig gemeinsam Gedanken darüber macht, sich umschaut, sich Heime anschaut.
Ich wäre mit meiner Mutter gern einen anderen Weg gegangen. Ich hätte sie das Heim gern selbst aussuchen lassen, weil immer klar war, dass ich sie nicht pflegen werde. Zum einen weil ich es nicht kann und zum anderen weil ich es nicht will.
Ja, ich kümmere mich immer noch um sie. Ich pflege sie nicht körperlich, aber ich kümmere mich um das ganze Drumherum, was nicht wenig ist, bin ständig in Kontakt mit ihr und erfülle Wünsche, Wünsche ohne Ende.

Ich werde sicherlich, wenn mir kein schnellerer Abgang vergönnt ist, auch einmal in einem Pflegeheim landen. Das ist völlig in Ordnung. Ich will nicht, dass mich jemand Nahes pflegen muss. Weder der Gatte, noch das Kind. Das möchte ich weder mir, noch den anderen zumuten. Gehört für mich auch nicht zum Leben dazu. Die Jungen oder die Partner müssen nicht automatisch die Pflege übernehmen. Die meisten können diese Aufgabe auch gar nicht leisten … zu viel Belastung in allen Bereichen und zu wenig Abstand.

Bunt …

… ist heute die Farbe meiner Gesamterscheinung.

Von unten nach oben – schwarze Schuhe, schwarze Strümpfe, dunkelblaue Jeans, weinrote mit schwarz, weiß und türkis gemusterte Bluse, Petrol/grün/türkis (anders türkis) Seidenschal, WindRegenjacke in Mint und dazu ein hoffnungsfroh grüner Rucksack … aber der Nagellack …

… passt zur Bluse.

Ich vergass die MundNaseBedeckung – dort wählte ich für die Hinfahrt dezentes Schwarz mit weißen Kringel, damit es nicht so bunt wird. Später zum Kindergeburtstag werde ich etwas anderes im Gesicht tragen.