Pflegeheim

Man liest immer nur Schlechtes, Böses, Angst machendes über Pflegeheime, sodass niemand in ein Heim will und die Angehörigen vor diesem Schritt zurückschrecken. Aus meiner Sicht ist das völliger Unsinn. Darum möchte ich eine Lanze für Pflegeheime brechen und etwas Positives schreiben.

Vielleicht hatte ich einfach nur Glück bei meiner verzweifelten Suche nach einem Heimplatz, für die ich nur drei Tage hatte, aber in dem Heim, das ich für meine Mutter gefunden habe, geht es ihr gut. Viel besser als vorher in der eigenen Wohnung.
Die ganzen guten Geister des Pflegeheims haben an meiner Mutter, seit sie im April letzten Jahres dort eingezogen ist, wahre Wunder vollbracht.
Damals war sie bettlägerig, konnte tatsächlich quasi nichts mehr und weigerte sich an einer Besserung mitzuhelfen. Mit ganz viel Beharrlichkeit, Freundlichkeit, Zuwendung, Ignoranz dem störrischen Wesen gegenüber oder was auch immer, ist es ihnen allen zusammen gelungen, meine Mutter wieder mobil zu machen.
Anfang des Jahres hat sie es irgendwann geschafft sich aus eigener Kraft in den Rollstuhl zu hieven, mit viel Mühe, aber es ging und ein bisschen durch die Gegend zu rollern. Seit ungefähr April ist sie wieder allein mit ihrem Rollator unterwegs. Erst kleine Runden und bis zum Klo, was schon große Freiheit war. Inzwischen geht sie jeden Tag nach unten in den Garten, klaut Blumen und besucht ihre Freundin Leona, die Eselin. Den Ziegen, die mit Leona zusammenwohnen, sagt sie natürlich auch Hallo.
Einmal die Woche ist im Garten Gruppenturnen, was ihr viel Spaß macht und sie fürchtet sich schon davor, wenn sie nicht mehr in den Garten können, weil es zu kalt ist.
Außerdem ärgert sie sich über Corona, weil dadurch die ganzen Ausflüge, die sonst regelmäßig stattfinden, nicht stattfinden. Sie würde doch so gerne zu Pflanzen Kölle und sich selbst eine Orchidee kaufen. Vor allem nachdem sie herausgefunden hat, wie sie an Bares, also einen Teil ihres Taschengeldes, kommt … (Ich böse Tochter gebe ihr ja kein Bares … sie sollen im Heim kein Bargeld haben, weil geklaut wird oder die Alten sonst was damit machen. Ganz am Anfang sind bei meiner Mutter dreißig Euro, die sie noch bei sich hatte, verschwunden. Sie behauptet, sie wurde beklaut. Hat den … diejenige gesehen. Ich bezweifle das noch heute (vorher im Krankenhaus hat sie mir genau dieselbe Geschichte erzählt, da war aber nichts weg) und vermutet eher, dass sie das Geld jemandem in die Hand gedrückt hat und diesen Umstand vergessen hat … meine Mutter erkauft sich gern etwas … jemanden.)

Für meine Mutter ist der Aufenthalt im Heim ein echter Gewinn. Sie ist gut versorgt, muss sich um nichts kümmern und hat einen enormen Zugewinn an Bewegungsfreiheit.
Vorher allein in ihrer Wohnung ist sie die letzten beiden Jahre nicht mehr raus gekommen und die Selbstversorgung wurde in allen Bereichen immer schwieriger. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig.

Als ich gestern bei ihr war und wir einen kleinen Ausflug mit dem Rollstuhl in den nahe gelegenen Park gemacht haben, hat sie, als wir auf unserer schon vertrauten Banke gesessen haben, einen Satz gesagt, der mich sehr betroffen und traurig gemacht hat. Sie hat gesagt: „Ich habe kein Zuhause, ich habe nur ein Zimmer.“
Ich habe erstmal nichts dazu gesagt, aber lange darauf herumgekaut … wozu gibt es, durch technische Probleme verursachte, verlängerte Zugfahrten und Nächte sonst?
Heute Vormittag habe ich ihr eine WhatApp zu dem Thema geschrieben … ja, manche Dinge lassen sich besser schreiben als sagen, gerade in unserem Mutter/Tochterverhältnis

Das schrieb ich ihr:

Du hast gestern einen Satz gesagt, der mich sehr betroffen und traurig gemacht hat.
Du hast gesagt, dass du kein Zuhause hast, sondern nur ein Zimmer.
Ich kann gut verstehen, dass du das so fühlst und will dir das gar nicht absprechen.
Trotzdem habe ich ein natürlich ein Aber …
Aus meiner Sicht hast du nicht nur etwas aufgegeben, sondern durchaus auch etwas im Heim gewonnen. Zum einen bist du versorgt, musst dir um die grundlegenden Dinge keine Sorgen machen oder dich nicht selbst um dich kümmern (einkaufen, Essen machen, sauber machen, waschen usw.), was dir immer schwerer gefallen ist.

Die meisten Pfleger und Pflegerinnen sind nett. Auch außerhalb des Heimes sind nicht alle Menschen toll und nett und man kommt nicht mit allen Menschen klar.
Was ich aber ganz wichtig finde: Du kannst dich wieder mehr bewegen. Du kommst alleine nach draußen in den Garten. Ja, er ist nicht groß, aber bietet Abwechslung und wenn Corona vorbei ist, wird es wieder Ausflüge und Veranstaltungen geben, an denen du teilnehmen kannst. Wie es mit dem Geld für Pflanzen Kölle geht, weißt du ja jetzt.
Wie oft bist du in den letzten zwei Jahren im Gürtlerweg alleine draußen gewesen? Zum Schluss gar nicht mehr, weil es gar nicht möglich war.
Du hast kein Zuhause, aber du hast ein Zimmer mit Bad und du hast Möglichkeiten und mehr Bewegungsfreiheit bekommen und eine echt gute Friseurin. Vielleicht ist das nicht viel und nicht all das, was du möchtest, aber besser als nichts und die letzte Zeit vor dem Heim (aus meiner Sicht).
Nicht böse sein, aber das wollte ich dir gerne sagen.

Sie hat es erstaunlich schnell gelesen, was nicht immer der Fall ist, manchmal findet sie Botschaften auch gar nicht, bzw. nur wenn man sie darauf hinweist und hat sich gemeldet. Sie hat angerufen und gesagt: „Das hast du falsch verstanden. Ich bin hier glücklich und sehr zufrieden. Es ist viel besser als vorher.“

Was ich mit diesen vielen Buchstaben nur sagen wollte:
Keine Angst vor Pflegeheimen. Es gibt gute. Höchstwahrscheinlich … nein, ganz bestimmt gibt mehr gute als schlechte Pflegeheime.
Hilfreich ist sicherlich, wenn man sich frühzeitig gemeinsam Gedanken darüber macht, sich umschaut, sich Heime anschaut.
Ich wäre mit meiner Mutter gern einen anderen Weg gegangen. Ich hätte sie das Heim gern selbst aussuchen lassen, weil immer klar war, dass ich sie nicht pflegen werde. Zum einen weil ich es nicht kann und zum anderen weil ich es nicht will.
Ja, ich kümmere mich immer noch um sie. Ich pflege sie nicht körperlich, aber ich kümmere mich um das ganze Drumherum, was nicht wenig ist, bin ständig in Kontakt mit ihr und erfülle Wünsche, Wünsche ohne Ende.

Ich werde sicherlich, wenn mir kein schnellerer Abgang vergönnt ist, auch einmal in einem Pflegeheim landen. Das ist völlig in Ordnung. Ich will nicht, dass mich jemand Nahes pflegen muss. Weder der Gatte, noch das Kind. Das möchte ich weder mir, noch den anderen zumuten. Gehört für mich auch nicht zum Leben dazu. Die Jungen oder die Partner müssen nicht automatisch die Pflege übernehmen. Die meisten können diese Aufgabe auch gar nicht leisten … zu viel Belastung in allen Bereichen und zu wenig Abstand.

„Wir fahren, wir fahren, …

… wir fahren nach Berlin!“, jubilieren heute Morgen die Grillen in meinen Kopf.

Sie sind mächtig aufgeregt und dementsprechend laut.

Vielleicht sollte ich mich mit ihnen bei der KopfGrillenSchule zur KopfGrillenErziehung anmelden.

P.S. MundNaseSchutz ist toll. Darunter kann man prima das schlaffe Doppelkinn verstecken 😁

Gestern Nachmittag, …

… als ich in den glücklichen Sphären schwebte etwas geschafft zu haben, klingelte das Telefon und meine Mutter war dran.
Wer auch sonst? So viele Menschen rufen mich nicht an. Manchmal noch mein Sohn, aber auch nur, wenn er etwas von mir möchte: „Mama, ich habe da ein Problem …“.
Es ist sehr gemein von mir, dass zu schreiben. Neulich rief er mich nämlich an, nur um mich anzurufen. Ich hatte ihm irgendwann mal gesagt, dass es nett wäre, wenn er mich mal anruft, nur um mich anzurufen oder vielleicht sogar, um zu fragen, wie es mir geht. Hat er gemacht.

Aber zurück zu meiner Mutter. Meine Mutter hatte Post bekommen. Was sie sehr freut, da sie inzwischen die Fähigkeit zurückerlangt hat, das Bett zu verlassen und mit dem Rollstuhl durch Pflegeheim zu rollern und eben hin und wieder, wenn sie dran denkt, in ihren Briefkasten zu schauen.
Gestern war es wieder mal so weit, dass sie sich auf den Weg gemacht hat. Wahrscheinlich weil sie noch wusste, dass Anfang des Monat immer die Rechnung für ihren zusätzlichen Inkontinenzeinlagen kommt. Muss sie nicht kümmern. Das Geld wird abgebucht, aber Post ist spannend.
Natürlich war gestern die Rechnung im Kasten und zu ihrer großen Freude noch ein Brief. Ein Brief von derselben Firma. Diese zweite Rechnung hat sie versucht mir vorzulesen … ich habe so viel daraus erkannt, dass es sich um die Zuzahlung für ihre gewöhnlichen Inkontinenzeinlagen handelt (ja, es viele Möglichkeiten die Inkontinenz in den Griff … in die entsprechende Vorlage zu bekommen und keine davon zahlt die Kasse wirklich … egal).

Tja, so weit so gut, aber wie komme ich jetzt an diesen Brief, um zu sehen, was wirklich Sache ist und im Zweifel die fällige Zuzahlung zu zahlen.
Mein schlaues Hirn dachte: „Sag ihr, sie soll die Rechnung mit ihrem Handy fotografieren und dir per WhatsApp schicken.“
Ich vertraute meinem schlauen Hirn und sagte ihr, sie möge die Rechnung fotografieren und mir per WhatsApp schicken. Ich erwähnte noch, dass Dinge wie der Betrag und die Rechnungs- und Kundennummer, die immer oben rechts stehen, wichtig sind.
„Ja, keine Problem. So machen wir das. Das kriege ich locker hin.“, bekam ich zur Antwort.

So sass ich dann hier, kramte in meinem reichen Papierschatz, den ich über für meine Mutter angelegt habe und wartete auf eine WhatsApp von meiner Mutter. Kam aber nichts.
Knapp zwei Stunden später rief sie nochmal an, um mir mitzuteilen, dass das mit dem Bild wohl noch etwas dauern würde. Ihr Handy ist mal wieder leer und muss erstmal laden.
Okay. Eilt ja nicht. Post ist noch frisch. Denn als ich letzte Woche Dienstag da war, war keine Post da gewesen.

Heute Morgen um kurz nach Sieben murrte … vibrierte (nachts ist das smarte Phone stumm geschaltet, um etwaigen „aus versehen und Mir-ist-langweilig-Anrufen zu entgehen, dem Festnetzanschluss wurde für die Nacht auch eine Klingelsperre auferlegt) dann mein smartes Phone, weil mir meine Mutter das Bild geschickt hatte.

Oh! Ja! Toll!

Ich quittierte das Ganze mit einem „Danke.“
Woraufhin ein: „Kannst du etwas damit anfangen?“, zurückkam.
Was mich dazu veranlasste ein: „Ja, das reicht mir.“ zurückzuschicken.
Zur Belohnung bekam ich ein: „prima.“ Sogar mit Smilie.

Die Aktion zeigt wieder einmal, dass einer von uns beiden nicht mehr ganz frisch im Kopf ist. Vermutlich bin ich diejenige. Schließlich habe ich mir den Quatsch mit dem Foto machen ausgedacht …

Ich hatte mir heute Morgen kurz angefangen mir Gedanken darüber zu machen, womit ich heute meinen Tag verbringen kann. Das hat sich von alleine geklärt …

Damit es mehr Spaß macht, habe ich mir erst einmal eine gemütliche Arbeitsatmosphäre geschaffen, (… muhaha …)

… weil ich nicht nur dieses Rechnungsdings klären muss, sondern auch noch die Heimrechnung überweisen und ihr Taschengeldkonto auffüllen und diversen anderen Kram für sie tun muss, den ich am Monatsanfang zu tun habe.

Und damit es nicht so langweilig ist, habe ich mir Vogel-TV angemacht:

Da sie ihr Kommen immer mit Geschrei ankündigen, muss ich nicht die ganze Zeit raussehen, sondern schaffe zwischendurch vielleicht tatsächlich etwas.

Jedem Tag wohnt ein neuer Anfang inne …

… so oder so ähnlich.

Ich beginne eigentlich jeden Tag mit der Absicht: „Ja, heute raffe ich mich endlich auf und mache dies und das. Erledige, was schon ganz lange darauf wartet in Angriff genommen oder fertig gemacht zu werden.“

Meist verpufft die Absicht recht schnell, weil wieder einer meiner Energiefresser, meist meine Mutter mit einem Anruf, der den Auftrag enthält, dass ich einmal mehr ein Problem ihres Lebens zu lösen habe, meine Energie frisst.

Aber ich will nicht ungerecht sein. Ich kann mich auch wunderbar allein von den Dingen abhalten, die ich eigentlich tun wollte, sollte und müsste (wie zum Beispiel meinen Internetshop endlich zu Ende einrichten und eröffnen … ich hasse es … es geht mir so auf die Nerven, dabei habe ich das Schlimmste schon geschafft).

Heute zum Beispiel habe ich mich mit dem hier …

… dem Vogel abgelenkt.

Nein, der Vogel ist natürlich nicht Tag füllend, aber es ist doch ein weiter Weg bis zu ihm, wenn man/ich erst einmal los muss, um die Dinge für seine Entstehung zu erstehen und man/ich nicht so früh loskommt, wie man gerne möchte, weil man/ich erst wieder einmal der/meiner Mutter Dinge erklären muss …
(Sie per WhatsApp: „Warum buchen DIE Geld von meinem Konto ab?“
Ich per Telefon, weil es einfacher ist … es kann nämlich sein, dass sie eine WhatsApp-Nachricht erst nach drei bis zwölf Tagen liest … „Wer sind DIE?“
Sie: „Na, DIE in meinem Handy. Ich kucke da manchmal nach und jetzt ist es weniger.“
Ich: „Das ist okay. Das machen DIE jeden Monat. Das ist die Gebühr, damit dein Handy funktioniert. Du damit ins Internet kannst (meine Mutter schafft es 3GB Datenvolumen in zwei Tagen zu verbrauchen … das schafft nicht mal mein Kind … wir sind alle sehr beeindruckt, wollen aber nicht wirklich wissen, wo sie sich rumtreibt).“
Sie: „Ach so. Aber eigentlich habe ich das ja gewusst.“ (der Zusatz kommt immer, damit ich nicht glaube, sie wäre blöd … senil … verkalkt … eigentlich will sie nämlich nur meine Intelligenz fördern/fordern)
Ich: „Das ist prima, wenn du das gewusst hast.“
Sie: „Das machen DIE wahrscheinlich öfter.“
Ich: „Ja, das machen DIE alle 30 Tage.“
Sie: „Ach so. Aber das wusste ich ja. Wollte nur hören, ob du das weißt.“
Ich: „Ja, ich weißt das und ich sorge immer dafür, dass du genug Guthaben hast, damit DIE alle 30 Tage Geld abbuchen können.“
Sie: „Das ist gut. Vielleicht frage ich nochmal. Nur zur Sicherheit. Denn eigentlich weiß ich das. Ich frage nur, damit du das nicht vergisst.“
Ich: „Mach das.“
Falls jetzt an dieser Stelle jemand ermattet ist, kann ich das verstehen. Es ist ermüdend.
In 30 Tagen führen wir … also ich (ja, ich bin ein Esel und gehe an dieser Stelle voran) und meine Mutter, nicht ihr da draußen am anderen Ende meines Blogs … denselben Dialog.

Wir, also meine Mutter und ich, haben viele Themen dieser Art, die wir tagtäglich wiederholen können. Uns geht der Gesprächsstoff quasi nicht aus.
Mich macht es müde … mich zermürbt es.
Nicht weil ich es schrecklich finde, dass meine Mutter immer mehr im Wo-auch-immer versinkt … nicht mehr aktiv am Leben teilnimmt.
Ich habe auch nicht im Geringsten die Angst, dass sie mich eines Tages vergessen könnte … sich nicht mehr an mich erinnert, weil sie mir den Gefallen nie tun/die Erleichterung zukommen lassen wird.
Ich finde es ermüdend/zermürbend, weil es so nutzlos, so Zeit und Energie raubend ist.
Weil ich seit Jahrzehnten darauf konditioniert bin, die Wünsche meiner Mutter sofort zu erfüllen … so schwachsinnig sie auch sein mögen und ich finde es ärgerlich, dass ich es bei allem Wissen nicht schaffen, mich davon freizumachen.
Ja, es ist nicht meine Mutter.
Ich bin Diejenige, die es nicht schafft sich freizumachen.

Und weil das jetzt alles so ist, wie es ist … nein, ich habe diesen sinnfreien, ermüdenden Blogbeitrag nicht geschrieben ;O), … gebe ich meinen rosa Elefanten jetzt noch Konturen, Ecken und Kanten und Charakter … oder so ähnlich …

Und morgen starte ich dann wieder mit den „guten“ Vorsätzen und mache die Dinge, die ich schon lange machen wollte …
… unter anderem endlich meinen Shop fertig.

Meine Mutter …

… hat in vierzehn Tagen … in dreizehn Tagen Geburtstag. Weil ich eine nette Tochter bin oder zumindest vorgebe zeitweise eine nette Tochter zu sein, habe ich mir frühzeitig überlegt, dass ich sie zu ihrem Geburtstag besuche, ihr mittags etwas zu essen mache, idealerweise ein wenig mit ihr plaudere, was schon immer schwer fällt, weil sie eigentlich nicht mit mir redet, wenn ich da bin und dann wieder nach Hause fahre.

Frühzeitig überlege ich mir solche Dinge, damit die Bahnfahrt nicht so teuer wird. Dieses Mal hatte ich nur relatives Glück mit den Bahntickets. Zurückfahre ich tatsächlich günstig, hin ist es so ein Mittelding. Gut pro Fahrt kommen immer noch vierfufzig für die Sitzplatzreservierung dazu. Purer Luxus, aber ich mag es, wenn ich beim Einsteigen schon weiß, wo ich sitze.

Als ich vor vierzehn Tagen bei meiner Mutter war, habe ich ihr erzählt, dass ich zu ihrem Geburtstag komme. Eine Reaktion gab es eher nicht, aber das ist nichts Ungewöhnliches. Bis zu ihrem Geburtstag waren es ja noch vier Wochen und sie musste sich darauf konzentrieren, was ich ihr einkaufen soll. Wahrscheinlich hat sie mit sich gerungen, ob sie sich traut mir zu sagen, dass ich ihr eine Flasche Schnaps mitbringen soll (sie traute sich nicht).

Letzte Woche hat mir meine Mutter bei einem unserer morgendlichen Telefonate gesagt, dass ich zu ihrem Geburtstag nicht kommen und ihr auch nichts zu essen machen soll. Sie isst sowieso nicht mehr so viel und überhaupt. Als ich ihr dann erzählte, dass ich die Fahrkarten schon hätte, wurde mir milde zugestanden, dass ich sie besuchen dürfte, aber bloß nichts zu essen machen soll. Und in Zukunft muss ich sie nicht extra besuchen kommen. Ich kann vorbeikommen, wenn ich sowieso etwas in Berlin zu tun habe.

Eine klare Ansage.
Eine wie gewohnt sehr liebevolle und meine Person und mein Tun sehr wertschätzende Ansage. Ich fühlte mich so richtig gut dabei.

Ich habe ihr dann noch gesagt, dass ich sie an ihrem Geburtstag nicht besuchen kommen muss. Ich kann die Stunden in Berlin auch anders verbringen. Zum Beispiel in den Zoo oder Tierpark gehen. Die Tiere freuen sich eventuell über meinen Besuch.

Nach der Erkenntnis, dass ich und mein Tun als Geburtstagsgeschenk nicht willkommen und nicht sicher auch nicht ausreichend sind, habe ich mir nun Gedanken darüber gemacht, was ich ihr zum Geburtstag schenken kann. Mir fiel ein, das sie mir vor Kurzem erzählt hatte, dass sie sich eine Greifzange kaufen möchte. So ein Ding um Dinge ohne Bücken aufheben zu können oder etwas aus der Höhe greifen zu können. Da ich nicht wusste, ob sie das getan hat, habe ich sie heute gefragt, ob es getan hat.

Nein, hat sie nicht. Sie hat keine bekommen, sagte sie.
„Fein“, habe ich gesagt, „dann schenke ich/wir dir eine zum Geburtstag“.
Daraufhin erwiderte meine Mutter: „Oh! Da freue ich mich drauf und auf die Eierrolle, die du mir machst, freue ich mich auch.“

Da musste ich ihr dann leider widersprechen – „Ich mache dir keine Eierrolle. Ich soll für dich nicht kochen, hast du gesagt. Ich darf doch auch nur kommen, weil ich die Fahrkarten schon habe.“

Diese simple Feststellung, der von ihr selbstbestimmten Tatsachen brachte viel Stimmung ins Telefonat. Jetzt bin ich natürlich albern. Die mit dem Dickkopf. Die Böse. Die Doofe. Die, die spinnt.

Mag sein, aber ich halte mich nur an die Ansagen. Ich habe mir das nicht ausgedacht.
Ja, ich bin jetzt stur, aber ich werde meiner Mutter an diesem Tag bestimmt nichts kochen. Sie wollte nicht.
Vielleicht nehme ich ihr etwas von hier mit. Am Vortag gibt es bei uns sowieso abends eine Eierrolle oder irgendetwas Ambulantes, weil wir nach des Gatten Tageswerk ins Schwimmbad gehen und erst spät am Abend noch eine Kleinigkeit essen. Davon kann ich etwas mehr machen und am nächsten Morgen mitnehmen.