Pflegeheim

Man liest immer nur Schlechtes, Böses, Angst machendes über Pflegeheime, sodass niemand in ein Heim will und die Angehörigen vor diesem Schritt zurückschrecken. Aus meiner Sicht ist das völliger Unsinn. Darum möchte ich eine Lanze für Pflegeheime brechen und etwas Positives schreiben.

Vielleicht hatte ich einfach nur Glück bei meiner verzweifelten Suche nach einem Heimplatz, für die ich nur drei Tage hatte, aber in dem Heim, das ich für meine Mutter gefunden habe, geht es ihr gut. Viel besser als vorher in der eigenen Wohnung.
Die ganzen guten Geister des Pflegeheims haben an meiner Mutter, seit sie im April letzten Jahres dort eingezogen ist, wahre Wunder vollbracht.
Damals war sie bettlägerig, konnte tatsächlich quasi nichts mehr und weigerte sich an einer Besserung mitzuhelfen. Mit ganz viel Beharrlichkeit, Freundlichkeit, Zuwendung, Ignoranz dem störrischen Wesen gegenüber oder was auch immer, ist es ihnen allen zusammen gelungen, meine Mutter wieder mobil zu machen.
Anfang des Jahres hat sie es irgendwann geschafft sich aus eigener Kraft in den Rollstuhl zu hieven, mit viel Mühe, aber es ging und ein bisschen durch die Gegend zu rollern. Seit ungefähr April ist sie wieder allein mit ihrem Rollator unterwegs. Erst kleine Runden und bis zum Klo, was schon große Freiheit war. Inzwischen geht sie jeden Tag nach unten in den Garten, klaut Blumen und besucht ihre Freundin Leona, die Eselin. Den Ziegen, die mit Leona zusammenwohnen, sagt sie natürlich auch Hallo.
Einmal die Woche ist im Garten Gruppenturnen, was ihr viel Spaß macht und sie fürchtet sich schon davor, wenn sie nicht mehr in den Garten können, weil es zu kalt ist.
Außerdem ärgert sie sich über Corona, weil dadurch die ganzen Ausflüge, die sonst regelmäßig stattfinden, nicht stattfinden. Sie würde doch so gerne zu Pflanzen Kölle und sich selbst eine Orchidee kaufen. Vor allem nachdem sie herausgefunden hat, wie sie an Bares, also einen Teil ihres Taschengeldes, kommt … (Ich böse Tochter gebe ihr ja kein Bares … sie sollen im Heim kein Bargeld haben, weil geklaut wird oder die Alten sonst was damit machen. Ganz am Anfang sind bei meiner Mutter dreißig Euro, die sie noch bei sich hatte, verschwunden. Sie behauptet, sie wurde beklaut. Hat den … diejenige gesehen. Ich bezweifle das noch heute (vorher im Krankenhaus hat sie mir genau dieselbe Geschichte erzählt, da war aber nichts weg) und vermutet eher, dass sie das Geld jemandem in die Hand gedrückt hat und diesen Umstand vergessen hat … meine Mutter erkauft sich gern etwas … jemanden.)

Für meine Mutter ist der Aufenthalt im Heim ein echter Gewinn. Sie ist gut versorgt, muss sich um nichts kümmern und hat einen enormen Zugewinn an Bewegungsfreiheit.
Vorher allein in ihrer Wohnung ist sie die letzten beiden Jahre nicht mehr raus gekommen und die Selbstversorgung wurde in allen Bereichen immer schwieriger. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig.

Als ich gestern bei ihr war und wir einen kleinen Ausflug mit dem Rollstuhl in den nahe gelegenen Park gemacht haben, hat sie, als wir auf unserer schon vertrauten Banke gesessen haben, einen Satz gesagt, der mich sehr betroffen und traurig gemacht hat. Sie hat gesagt: „Ich habe kein Zuhause, ich habe nur ein Zimmer.“
Ich habe erstmal nichts dazu gesagt, aber lange darauf herumgekaut … wozu gibt es, durch technische Probleme verursachte, verlängerte Zugfahrten und Nächte sonst?
Heute Vormittag habe ich ihr eine WhatApp zu dem Thema geschrieben … ja, manche Dinge lassen sich besser schreiben als sagen, gerade in unserem Mutter/Tochterverhältnis

Das schrieb ich ihr:

Du hast gestern einen Satz gesagt, der mich sehr betroffen und traurig gemacht hat.
Du hast gesagt, dass du kein Zuhause hast, sondern nur ein Zimmer.
Ich kann gut verstehen, dass du das so fühlst und will dir das gar nicht absprechen.
Trotzdem habe ich ein natürlich ein Aber …
Aus meiner Sicht hast du nicht nur etwas aufgegeben, sondern durchaus auch etwas im Heim gewonnen. Zum einen bist du versorgt, musst dir um die grundlegenden Dinge keine Sorgen machen oder dich nicht selbst um dich kümmern (einkaufen, Essen machen, sauber machen, waschen usw.), was dir immer schwerer gefallen ist.

Die meisten Pfleger und Pflegerinnen sind nett. Auch außerhalb des Heimes sind nicht alle Menschen toll und nett und man kommt nicht mit allen Menschen klar.
Was ich aber ganz wichtig finde: Du kannst dich wieder mehr bewegen. Du kommst alleine nach draußen in den Garten. Ja, er ist nicht groß, aber bietet Abwechslung und wenn Corona vorbei ist, wird es wieder Ausflüge und Veranstaltungen geben, an denen du teilnehmen kannst. Wie es mit dem Geld für Pflanzen Kölle geht, weißt du ja jetzt.
Wie oft bist du in den letzten zwei Jahren im Gürtlerweg alleine draußen gewesen? Zum Schluss gar nicht mehr, weil es gar nicht möglich war.
Du hast kein Zuhause, aber du hast ein Zimmer mit Bad und du hast Möglichkeiten und mehr Bewegungsfreiheit bekommen und eine echt gute Friseurin. Vielleicht ist das nicht viel und nicht all das, was du möchtest, aber besser als nichts und die letzte Zeit vor dem Heim (aus meiner Sicht).
Nicht böse sein, aber das wollte ich dir gerne sagen.

Sie hat es erstaunlich schnell gelesen, was nicht immer der Fall ist, manchmal findet sie Botschaften auch gar nicht, bzw. nur wenn man sie darauf hinweist und hat sich gemeldet. Sie hat angerufen und gesagt: „Das hast du falsch verstanden. Ich bin hier glücklich und sehr zufrieden. Es ist viel besser als vorher.“

Was ich mit diesen vielen Buchstaben nur sagen wollte:
Keine Angst vor Pflegeheimen. Es gibt gute. Höchstwahrscheinlich … nein, ganz bestimmt gibt mehr gute als schlechte Pflegeheime.
Hilfreich ist sicherlich, wenn man sich frühzeitig gemeinsam Gedanken darüber macht, sich umschaut, sich Heime anschaut.
Ich wäre mit meiner Mutter gern einen anderen Weg gegangen. Ich hätte sie das Heim gern selbst aussuchen lassen, weil immer klar war, dass ich sie nicht pflegen werde. Zum einen weil ich es nicht kann und zum anderen weil ich es nicht will.
Ja, ich kümmere mich immer noch um sie. Ich pflege sie nicht körperlich, aber ich kümmere mich um das ganze Drumherum, was nicht wenig ist, bin ständig in Kontakt mit ihr und erfülle Wünsche, Wünsche ohne Ende.

Ich werde sicherlich, wenn mir kein schnellerer Abgang vergönnt ist, auch einmal in einem Pflegeheim landen. Das ist völlig in Ordnung. Ich will nicht, dass mich jemand Nahes pflegen muss. Weder der Gatte, noch das Kind. Das möchte ich weder mir, noch den anderen zumuten. Gehört für mich auch nicht zum Leben dazu. Die Jungen oder die Partner müssen nicht automatisch die Pflege übernehmen. Die meisten können diese Aufgabe auch gar nicht leisten … zu viel Belastung in allen Bereichen und zu wenig Abstand.

E wie …

Einfach mal Bloggen.
Eigentlich sollte ich die Finger stillhalten, denn ich habe mir die Nägel lackiert. Uneigentlich fällt es mir unglaublich schwer die Finger still zuhalten … warum trocknet Nagellack nur so unglaublich langsam? Warum muss ich immer unbedingt etwas trinken, wenn ich mir gerade die Nägel lackiert habe? Warum muss ich mir immer unbedingt die Nase putzen, wenn ich mir gerade die Nägel lackiert habe? Warum muss ich immer aufs Klo, wenn ich mir gerade die Nägel lackiert habe? Obwohl ich vorher auf dem Klo war, weil ich um den Umstand weiß …
Fragen über Fragen. Da birgt ein bisschen auf die Tasten hämmern die geringsten Gefahr auf Lackschäden.

Morgen beabsichtige ich nach Berlin zu fahren. Mal wieder meine Mutter besuchen und im Anschluss wollte ich zum Kind, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Mal sehen, ob der zweite Teil des Plans funktioniert. Gestern hat er mir nämlich quasi abgesagt. Mann fühlt sich kränklich. An sich sehr umsichtig, andererseits ist nicht jeder Schnotz in der Nase Corona. Ich schnotze und kratze des öfteren vor mich hin (ja, und je näher der Berlin Besuch rückt, um so schnotziger und kratziger im Hals werde ich … ein Schelm, wer an Psychosomatisches denkt :O)) ), aber bisher war entweder Heuschnupfen oder fröhliches Hypochondrieren.
Wie es auch sei, es wäre blöd, wenn er mir absagt. Zum einem, weil ich ihm dann nicht persönlich zum Geburtstag gratulieren kann und zum anderen, weil mein Reiseplan auseinander fällt. Ich habe dann dreieinhalb Stunden Zeit, die ich irgendwie totschlagen muss … müsste, um meinen gebuchten Zug zubekommen. Es ist nicht so, dass ich mich in Berlin nicht beschäftigen könnte, aber dafür sind dreieinhalb Stunden zu wenig. Ich muss immer erst von A nach B, um etwas machen zu können und dann wieder von B nach C, um meinen Zug zu erwischen. Und die Fahrerei dauert immer und einen Sicherheitspuffer Zeit brauche ich auch. So eine S-Bahn fällt gern mal aus.
Viele Buchstaben wenig Sinn – so er denn absagt, werde ich mir nach dem Besuch bei meiner Mutter, den man Dank Corona, auch nicht so flexibel (Wann wollen Sie kommen? Wie lange wollen Sie bleiben? Länger als zwei Stunden dürfen Sie sowieso nicht. Ins Zimmer dürfen Sie auch nicht, da Ihre Mutter nicht bettlägerig ist … blablabla … der Fragebogen, den ich jedes Mal ausfüllen muss, sei nur am Rande erwähntaber alles gut, ich kann es verstehen und wäre die Letzte, die sich gegen irgendwelche Auflagen aufregtich möchte dort nichts einschleppen

(meiner Mutter ist das völlig egal … wie wahrscheinlich vielen alten Menschen … die meistens fühlen sich unbesiegbar …)

und ich kann mir nie sicher sein, ob mich dieser blöde Virus, bei aller Vorsicht und Umsicht, nicht doch erwischt hat) gestalten kann, eine früheren Zug in die Heimat suchen.
Heute sah die Option günstig früher Zurückreisen zu können noch gut aus, aber der Gatte sprach schon, dass ich mir auch einen etwas teureren Rückzug leisten darf. Feiner Zug vom ihm.
Wer bis hierhin folgen konnte, ist einfach großartig … ;O)).

Der Nagellack scheint trocken zu sein, also kann ich mich in die Küche begeben und mit der Gestaltung des Abendessen (Brotsalat mit Champignonsomelett … eigentlich sollte es etwas anderes geben, aber in diesem Mahl sind diverse Reste verarbeitet, die dringend weg müssen) beschäftigen.
Von all dem anderen banalen Kram, wie zum Beispiel Haarseifen, wallendes Haupthaar Dank Corona und dem Mops, der aus der Küche kommt, der aber eigentlich keiner ist, weil er zu lange Beine hat, berichte ich ein anderes Mal.

P.S. Ganz egal, ob mir mein Kind morgen einen Korb gibt, ich werde morgen Abend ein Glas auf mein Wohl trinken. Für mich ganz allein.
Ja, tatsächlich auf mein Wohl. Das mache ich seit seinem 1. Geburtstag … an seinem Geburtstag fühlte ich mich Dank Kaiserschnitt (morgen schließt sich mal wieder ein kleiner Kreis – das Kind ist an einem Dienstagmorgen geboren) und dem Bestreben trotzdem so schnell möglich das Krankenhaus zu verlassen (ich tat es nach drei Tagen – früher wollten sie mich nicht gehen lassen) nicht in der Lage mit mir anzustoßen.
Aber seit seinem 1. Geburtstag mache ich das tatsächlich jedes Jahr.
Ja, es ist sein Geburtstag, aber ich habe ihn aus gebrütet und zur Welt gebracht und das darf ich mit mir und für mich feiern. Eins der wenigen Dinge auf die ich stolz bin.

„Wir fahren, wir fahren, …

… wir fahren nach Berlin!“, jubilieren heute Morgen die Grillen in meinen Kopf.

Sie sind mächtig aufgeregt und dementsprechend laut.

Vielleicht sollte ich mich mit ihnen bei der KopfGrillenSchule zur KopfGrillenErziehung anmelden.

P.S. MundNaseSchutz ist toll. Darunter kann man prima das schlaffe Doppelkinn verstecken 😁

Das Leben in Zeiten mit Corona …

… ist schwierig, bringt aber auch große Freude über ganz kleine Dinge ins Leben.
Gestern zum Beispiel hat mich der Gatte, damit beglückt, dass er mir Trockenhefe mitgebracht hat ♥ ♥ ♥.
Seit Tagen hatte ich versucht Trockenhefe zu kaufen. Es war nicht möglich. Überall leer gekauft. Normalerweise habe ich immer Trockenhefe im Haus. Finde ich praktisch, weil ich sie, anders als frische Hefe, lagern kann und sie funktioniert bei mir genauso gut wie frische Hefe. Irgendwie hatte ich aber meinen Lagerbestand nicht so richtig im Blick oder besser gesagt, ich habe nicht vorausgesehen, was Corona mit uns macht. Das ich eben irgendwann nicht mehr in einen Laden gehen kann und kaufen kann, wonach mir der Sinn steht.
Das die Menschen Klopapier, Haushaltsrollen, Taschentüchern, Nudeln, Mehl, TK-Pizzen und und irgendwelches Dosengemüse und Dosenobst horten, ist mir schon vor 14 Tagen aufgefallen, als wir im Supermarkt vor leeren Regalen standen, aber dass es so ans „Eingmachte“ geht, hätte ich nie für möglich gehalten. Trockenhefe ist nicht das einzige, was ich hier nicht mehr bekommen habe. Nach Grünen Linsen habe ich mir die Haken abgelaufen. Nirgends Grüne Linsen zu bekommen. Sonst kauft die keiner und ich muss auf das Haltbarkeitsdatum kucken, damit ich keine alten Dinger kaufe. Jetzt ist alles weg. In der „Not“ nehmen sich die Menschen sogar vor Grüne Linsen zu essen. Ich glaube nämlich wirklich nicht, dass die Menschen das, was sie jetzt horten, tatsächlich essen werden. Egal, nicht mein Problem. Mir ist zum Glück noch eingefallen, dass es bei uns seit Kurzem einen „Unverpackt-Laden“ gibt und dort habe ich, für viiiiiiiiiiiiiel Geld, Grüne Linsen bekommen. Allein das Papiertütchen, in dem ich meine Linsen erstanden habe, weil ich kein Behältnis dabei hatte, hat 50 Cent gekostet. Und die Tüte ist wirklich nicht groß – ca. 14 x 21 cm . Ich habe die Tüte dem Ingwer, der aus Mexiko kommt und so ganz anders aussieht als sonst Ingwer …

… geschenkt. Ich habe den Eindruck, dass er sich darin sehr wohlfühlt und die Tüte kann ihren Preis abarbeiten.
Ein Kichererbsenproblem hatte ich auch noch, aber das ließ sich schneller lösen.
Auf jeden Fall haben mich diese Umstände gelehrt, dass ich ab sofort alles einsacke, was ich unterwegs treffe und von dem ich meine es, in irgendeiner Art und Weise in etwas Essbares verwandeln zu können. Fertigkram kommt mir aber weiterhin nicht ins Haus. Die einzigen Konserven, die es bei uns gibt sind Mais, Kidneybohnen und Dosentomaten für ein schnelles Chili sin carne und Artischockenherzen für die Pizza.
Desweiteren werde ich noch versuchen ein paar TK-Erbsen, TK-Grüne Bohnen und ein bisschen TK-Fisch zu ergattern … so mir der Einkaufsgott wohlgesonnen ist.

Punkt. Absatz. Gedankensprung, aber nur ein kleiner …

Unser schönes Bundesland Schleswig Holzbein war nach Bayern, das zweite Bundesland, dass Großveranstaltungen über 1000 Personen verboten/abgesagt hat. Radikal. Ohne wenn und aber und ohne Diskussionen über irgendwelche Sportveranstaltungen.
Das hat mich noch viel nachdenklicher und ängstlicher gemacht. Immerhin zählt der Gatte auch zur Risikogruppe.
Aus diesem Grund habe ich gestern für ihn ein Bahnfahrverbot erlassen und nun muss er mit dem Auto zur Arbeit fahren. Sind zum Glück nur noch zwei Tage. Dann hat er Urlaub.

Heute morgen hat meine Angst meine Mutter getroffen und ich habe eine Ausgangssperre angeordnet.
In neun Tagen hat sie Geburtstag und hatte sich gewünscht Essen zu gehen. Ich wollte ihr diesen Wunsch gern erfüllen und hatte mir schon einen Italiener ausgekuckt, den wir von ihrem Heim aus gut zu Fuß, sie in ihrem Rollstuhl schiebend, hätten erreichen können. Denn ich fand für einen ersten Ausflug nach gut einem Jahr selbstauferlegter fast Bewegungslosigkeit muss man sie nicht auch noch in ein Auto verfrachten.
Tja … und heute Morgen fiel mir dann auf, dass das bestimmt keine gute Idee ist. Zum einen weiß man in der Tat nicht, ob man in neun Tagen noch Restaurants offen sind und zum anderen kann ich es nicht verantworten, wenn sie sich unterwegs irgendetwas, vielleicht auch Corona, aufsackt und mit ins Heim schleppt. Geht nicht, ist nicht, fällt aus.
Das habe ich ihr auch umgehend mitgeteilt. Die Enttäuschung war erstmal, man weiß nie was da noch kommt, nicht so groß, wie ich befürchtet hatte.
Ich habe ihr versprochen, dass wir irgendwann später essen gehen. Dann schnappe ich sie mir, wenn ich sie besuche und karre sie zum Italiener.
Außerdem habe ich ihr versprochen, dass ich … wir ihr eine Pizza mitbringen. Eine Thunfischpizza wünscht sie sich zum 85.. Soll sie kriegen.
Und neue Unterhosen wünscht sie sich.
(Sie: „Kannst du nicht Schlips sagen statt Unterhosen? Klingt viel besser.“
Ich: „Nee, kann ich nicht oder willst du dir eine Krawatte um den Hintern wickeln?“)

Auch die soll sie kriegen.
Die genähte Tasche, die sie sich gewünscht von mir hat, hat sie augenscheinlich vergessen, aber auch die soll sie kriegen.

Und genau an die mache ich mich jetzt zu Zeiten von Corona und Sturm Hanna.

Gestern Nachmittag, …

… als ich in den glücklichen Sphären schwebte etwas geschafft zu haben, klingelte das Telefon und meine Mutter war dran.
Wer auch sonst? So viele Menschen rufen mich nicht an. Manchmal noch mein Sohn, aber auch nur, wenn er etwas von mir möchte: „Mama, ich habe da ein Problem …“.
Es ist sehr gemein von mir, dass zu schreiben. Neulich rief er mich nämlich an, nur um mich anzurufen. Ich hatte ihm irgendwann mal gesagt, dass es nett wäre, wenn er mich mal anruft, nur um mich anzurufen oder vielleicht sogar, um zu fragen, wie es mir geht. Hat er gemacht.

Aber zurück zu meiner Mutter. Meine Mutter hatte Post bekommen. Was sie sehr freut, da sie inzwischen die Fähigkeit zurückerlangt hat, das Bett zu verlassen und mit dem Rollstuhl durch Pflegeheim zu rollern und eben hin und wieder, wenn sie dran denkt, in ihren Briefkasten zu schauen.
Gestern war es wieder mal so weit, dass sie sich auf den Weg gemacht hat. Wahrscheinlich weil sie noch wusste, dass Anfang des Monat immer die Rechnung für ihren zusätzlichen Inkontinenzeinlagen kommt. Muss sie nicht kümmern. Das Geld wird abgebucht, aber Post ist spannend.
Natürlich war gestern die Rechnung im Kasten und zu ihrer großen Freude noch ein Brief. Ein Brief von derselben Firma. Diese zweite Rechnung hat sie versucht mir vorzulesen … ich habe so viel daraus erkannt, dass es sich um die Zuzahlung für ihre gewöhnlichen Inkontinenzeinlagen handelt (ja, es viele Möglichkeiten die Inkontinenz in den Griff … in die entsprechende Vorlage zu bekommen und keine davon zahlt die Kasse wirklich … egal).

Tja, so weit so gut, aber wie komme ich jetzt an diesen Brief, um zu sehen, was wirklich Sache ist und im Zweifel die fällige Zuzahlung zu zahlen.
Mein schlaues Hirn dachte: „Sag ihr, sie soll die Rechnung mit ihrem Handy fotografieren und dir per WhatsApp schicken.“
Ich vertraute meinem schlauen Hirn und sagte ihr, sie möge die Rechnung fotografieren und mir per WhatsApp schicken. Ich erwähnte noch, dass Dinge wie der Betrag und die Rechnungs- und Kundennummer, die immer oben rechts stehen, wichtig sind.
„Ja, keine Problem. So machen wir das. Das kriege ich locker hin.“, bekam ich zur Antwort.

So sass ich dann hier, kramte in meinem reichen Papierschatz, den ich über für meine Mutter angelegt habe und wartete auf eine WhatsApp von meiner Mutter. Kam aber nichts.
Knapp zwei Stunden später rief sie nochmal an, um mir mitzuteilen, dass das mit dem Bild wohl noch etwas dauern würde. Ihr Handy ist mal wieder leer und muss erstmal laden.
Okay. Eilt ja nicht. Post ist noch frisch. Denn als ich letzte Woche Dienstag da war, war keine Post da gewesen.

Heute Morgen um kurz nach Sieben murrte … vibrierte (nachts ist das smarte Phone stumm geschaltet, um etwaigen „aus versehen und Mir-ist-langweilig-Anrufen zu entgehen, dem Festnetzanschluss wurde für die Nacht auch eine Klingelsperre auferlegt) dann mein smartes Phone, weil mir meine Mutter das Bild geschickt hatte.

Oh! Ja! Toll!

Ich quittierte das Ganze mit einem „Danke.“
Woraufhin ein: „Kannst du etwas damit anfangen?“, zurückkam.
Was mich dazu veranlasste ein: „Ja, das reicht mir.“ zurückzuschicken.
Zur Belohnung bekam ich ein: „prima.“ Sogar mit Smilie.

Die Aktion zeigt wieder einmal, dass einer von uns beiden nicht mehr ganz frisch im Kopf ist. Vermutlich bin ich diejenige. Schließlich habe ich mir den Quatsch mit dem Foto machen ausgedacht …

Ich hatte mir heute Morgen kurz angefangen mir Gedanken darüber zu machen, womit ich heute meinen Tag verbringen kann. Das hat sich von alleine geklärt …

Damit es mehr Spaß macht, habe ich mir erst einmal eine gemütliche Arbeitsatmosphäre geschaffen, (… muhaha …)

… weil ich nicht nur dieses Rechnungsdings klären muss, sondern auch noch die Heimrechnung überweisen und ihr Taschengeldkonto auffüllen und diversen anderen Kram für sie tun muss, den ich am Monatsanfang zu tun habe.

Und damit es nicht so langweilig ist, habe ich mir Vogel-TV angemacht:

Da sie ihr Kommen immer mit Geschrei ankündigen, muss ich nicht die ganze Zeit raussehen, sondern schaffe zwischendurch vielleicht tatsächlich etwas.

Was inzwischen geschah:

Das Wichtigste zuerst – Ich habe die Macht!

Die Vorsorgevollmacht für meine Mutter, die seit Ende April im Pflegeheim ist. Es war ein langer, anstrengender Weg dorthin. Aber nun liegt sie dort warm, wird regelmäßig trocken gelegt, weil sie nicht mehr in der Lage ist zu gehen oder zu stehen, geschweige denn aktiv zu sitzen … nein, ihr ist nichts Dramatisches passiert, sie ist körperlich auch nicht krank, wenn man von ein bisschen Arthrose hier und da absieht (da klemmt es bei mir an eindeutig mehr Stellen), nein, sie hat sich einfach zu wenig bewegt, zu viel im Bett gelegen, sodass sich alle Muskulatur von Dannen gemacht hat, das vermutlich sogar irreversible, verweigert sich sämtlichen Therapien, die mehr von ihr fordern als irgendwelche Schmerzmittel zu fressen zu nehmen und benimmt sich wie im Hotel … „Zackzack, nun machen Sie mal. Schließlich bezahle ich Sie!“
Nachts zum Beispiel klingelt sie, weil sie den Rücken gekrault haben möchte.
Ich bin mir aber sicher, dass sie sie dort noch einnorden werden und sie begreifen wird, dass es so nicht funktioniert.

Leider bin ich nicht schnell genug weggelaufen und habe den ganzen Mist jetzt an der Backe, aber langsam müsste ich jedem, der es wissen muss, gesagt haben, dass die Post jetzt an mich geht (Dank neuer Datenschutzverordnung dürfen sie im Pflegeheim noch nicht einmal ihren Briefkasten, den sie dort eigentlich hat, leeren. Sie selbst kann ja nicht zum Briefkasten, aber selbst wenn sie könnte, wäre sie mit den Dingen überfordert) und alle offenen Rechnungen bezahlt sein.
Die Wohnung ist zu Ende August gekündigt (sie ist nur unter der Bedingung ins Heim gegangen, dass nach Hause darf, wenn sie wieder fit ist. Zum Glück hat sie am 3. Mai festgestellt, dass sie gar nicht mehr nach Hause will/kann (da war es natürlich zu spät für eine Kündigung bis Ende Juli … Geld sparen war noch nie ihre Sache) und hat mir voller Freude erzählt, als ich gesagt habe, dass es mir gerade nicht so gut geht, das es mir noch viel schlechter gehen wird, weil ich noch ganz viel für sie tun muss …)
Telecom und Versicherungen habe ich auch schon gekündigt. Mal sehen wann uns wer früher aus den Verträgen lässt.
GEZ ist abgemeldet.
Der Hausnotruf, den sie sowieso nicht benutzt, ist auch gekündigt.
Am 13.06. habe ich eine Termin in Berlin, um sie umzumelden. War in der Tat der früheste Termin, den ich bekommen habe. Ohne Termin geht in Berlin gar nichts mehr. Mir egal. Mit der Online-Vereinbahrung des Termins habe ich die Meldefrist von 14 Tagen eingehalten.
Diverser anderer Klöterkram ist auch schon erledigt.
Irgendwann werde ich mich mit dem Vermieter treffen und sehen, was alles aus der Wohnung raus muss und ob ich und wenn was ich renovieren muss.
Wenn das geklärt ist, kann ich ein Date mit einer Entrümplungsfirma vereinbaren. Kommt alles weg. Will keiner etwas haben. Und ihr Rosenthal Services und das Allerwelts Services von Villeroy und Boch zu verkaufen, da steht der Erlös in keinem Verhältnis zum Aufwand. Ihren heißgeliebten Pelz will auch keiner.

Das ist im Groben das, womit ich mich seit Anfang März beschäftigt habe.

Ich habe auch wieder angefangen zu spinnen, aber dazu gibt es demnächst einen anderen Post.

Jetzt muss ich kochen, weil der Gatte bald kommt und ich muss/darf/will mich aufs Kind freuen, welches wir nachher am Hamburger Hauptbahnhof einfangen und wir ein paar Tage genießen dürfen.

P.S. Ist schon seltsam, wie komisch man angekuckt wird, wenn man sagt, dass die Mutter im Pflegeheim ist. Vielleicht sollte ich mal fragen, wie viele von den komisch Kuckern tatsächlich bereit wären ihren Eltern regelmäßig den Hintern zu wischen …