Eigentlich sollte …

… ich jetzt einen Brief an meine Mutter schreiben, um ihr zu erklären, dass das sie sich das, was sie sich leistet, nicht leisten kann – sprich: sie zu viel Geld ausgibt.
Diese Diskussion führen wir nicht zum ersten Mal und sicher nicht zum letzten Mal, denn sie vergisst immer mehr. Ganz besonders die Dinge, die ihr nicht gefallen. Außerdem konnte sie noch nie mit Geld umgehen.
Vermutlich geht sie immer noch davon aus, obwohl ich es ihr gesagt habe, dass wir sie finanzieren, wenn sie kein Geld mehr hat, aber das wird nicht stattfinden. Der Gatte geht schon für drei arbeiten. Für einen vierten bleibt davon nichts mehr übrig und außerdem sind wir dazu zum Glück nicht mehr verpflichtet. Und ganz ehrlich – warum auch? Sie hat mit ihren beiden Renten gerade mal dreihundert Euro weniger im Monat als wir zu dritt für sich allein.
Ja, die Heimkosten sind gestiegen, aber dann muss sie eben an anderer Stelle sparen und kann nicht alle vier Wochen zum Friseur, zur Mani- und Pediküre und kann nicht jeden Monat hundert Euro für Wein, Zeitschriften und ihre geliebten Thomapyrin ausgeben. Vielleicht muss man sogar überlegen, ob es ein Telefon, ein Handy und Tablet sein muss. Das sind immerhin auch jeden Monat zweiundvierzig Euro.

Eigentlich wollte ich niemanden mit Zahlen langweilen, eigentlich wollte ich nur schreiben, dass es mir schwerfällt diesen Brief zu schreiben, weil ich schon ganz am Anfang ins Stocken kommen, weil ich nicht weiß, wie ich sie ansprechen soll.
Liebe Mutter, geht nicht. Hallo Mutter, ist auch doof. Hallo du, sieht blöd aus. Einfach nur – Hallo, auch. Das Problem habe ich aber immer. Für mein Gefühl und um die für mich richtige Distanz zu schaffen, müsste ich sie mit Sie und Frau Schmidt ansprechen.
Genauso geht es mir am Ende. Am unverfänglichsten ist da immer noch einfach Pia drunter zu klemmen. An milden Tagen kann ich mir ein Deine Tochter abringen.

So, jetzt habe ich mich durch diverse Buchstaben von den anderen Buchstaben und Zahlen abgehalten, bin fast eingeschneit …

(an dieser Stelle stelle sich der geneigte Leser ein herzhaft lachenden Smiley vor)

… und kann mich somit Richtung draußen zu einem Schneespaziergang in Bewegung setzen. Den blöden Brief kann ich auch später schreiben. Für diesen Monat kann ich eh nichts mehr an den Zahlen und dem Defizit, das sie erzeugen, ändern.

Gerade habe ich gehört, dass man nach mir ruft …

Frau Dompfaff ist der Meinung, dass ich Futter nachfüllen sollte. Also werde ich zuerst in diese Richtung eilen.

Warum wollen eigentlich immer alle etwas von mir?

(Meine Mutter unterbrach mein Schreiben hier an dieser Stelle nämlich auch schon mit einem Anruf … „Schatz, ich brauche …“ – nein Schatz ist keine liebevolle Ansprache, Schatz ist die allgemeine Anrede, wenn man etwas möchte … von wem auch immer)

Es ist angerichtet

Da einige unserer geflügelten Besucher mit der Bedienung der Futtersäule …

… nicht klar kommen, habe ich mich von ihnen breit hüpfen lassen und serviere nun auch in einem Blumenuntersatz auf dem Balkonboden.

Nun herrscht hier quasi eine zwei Klassengesellschaft, die aber erstaunlich schnell angenommen wurde.

Die Qualität der Bilder ist so schlecht, weil zum einen die Scheibe dreckig ist und ich zum anderen den Handyzoom bemühen musste …

Die Meisen kommen unten nur kucken und fliegen dann nach oben, um an der Futtersäule Futter zu zocken.

Der Dompfaff hingegen gehört zur Gruppe: Ich stehe lieber in meinem Essen. Und das wenn, dann ziemlich ausdauernd … gibt ja auch immer was zu schauen …

Die Schale steht ganz günstig. So kann er beim Fressen durch die Spalten zwischen den Balkonverblendungen hindurchsehen. Sonst würden vielleicht noch Beschwerden über das matte, undurchsichtige Glas kommen.

Eigentlich ist das am Boden in der Schale Füttern aber blöd. Das Futter wird ständig feucht, bzw. schwimmt bei dem vielen Regen, den wir in letzter Zeit hatten, munter in der Schale herum. Den ersten Satz Meisenknödel, zum Beispiel, hat mir der Regen schon ruiniert …

Nicht nur, dass das Getreide lustig ausgetrieben hat, nee, der ganze Kram ist auch noch geschimmelt … Iiiiiiigittt … schüttel …

Nachdem ich viel hin und her überlegt habe, wie ich das Wasser nicht in die Schale bekomme und dieses Problem nicht lösen konnte, weil eine komplette Überdachung des Balkons eventuell doch etwas aufwendig wäre, habe mir überlegt, dass das Wasser irgendwie aus der Schale muss.
Zuerst dachte ich an ein Sieb. Ein Sandsieb. Aber die Dinger waren mir zu teuer. Außerdem denke ich, dass es den Vögeln auch nicht sonderlich angenehm ist auf dem Gitter zu stehen und zu speisen.
Gestern kam ich auf das Naheliegendste und habe heute im Schweiße meines Angesicht Löcher in die Schale gebohrt …

An sich wollte ich die Bohrmaschine bemühen, aber die wollte sich nicht mühen, sondern machte zwar viel Lärm, aber keine Löcher ins Plastik. Wahrscheinlich der falsche Bohrer für das Material, aber die anderen in der passenden Größe wollten auch nicht löchern. PüH! Dann nehme ich eben den Handbohrer.

Damit das Wasser auch tatsächlich über die Löcher die Schale verlassen kann, bekam die Schale noch fünf todschicke, jeweils 6g schwere …

… und damit gleich große Bostikkugelfüße …

Warum fünf? Weil fünf einfach weniger kippeln. Genau wie bei einem Bürostuhl.

Jetzt hätte ich gerne Regen, damit ich sehen kann, ob meine Konstruktion Sinn macht.